
Es ging Freitag morgen richtig früh los, zumindest für Philip und mich, denn wir mussten Punkt halb acht unseren Mietwagen abholen. Einen bohnespassatroten Pontiac der uns gleich durch sein sportliches Design überzeugt hat.
Nachdem wir den Papierkram erledigt hatten konnten Philip und ich Romy und Susann abholen und uns endlich auf den Weg Richtung USA machen. Unsere erste Pause mussten wir allerdings schon nach knapp einer Stunde einlegen und ja ich geb's ja zu ich war schuld. Als immer noch überzeugter Raucher hatte ich das dringende Bedürfnis bei Kaffee und Zigarette das fabelhafte Wetter zu genießen. Meine geduldigen Mitfahrer haben sich meiner Sucht ergeben und den Stop gleich für eine Pinkelpause genutzt. An dieser Stelle muss ich auch gleich einmal auf den grauenhaften nordamerikanischen Kaffee eingehen. Liebe Leute zuhause ihr könnt von Glück sprechen, dass wir im Vergleich zu hier eine wirklich hervorragende Kaffeekultur besitzen. Ich wette sogar, dass Wolfgangs Brühkaffee besser schmeckt als das Zeug was man hier bekommt. Nicht nur das Milch quasi, wie Wasser schmeckt auch der Kaffee schmeckt unheimlich eigenartig. Und sobald ich wieder deutschen Boden betrete werde ich das Lorleberg besetzen und literweise Kaffee trinken. Soviel dazu...Die weitere Fahrt bis zur amerikanischen Grenze verlief ohne große Zwischenfälle. Unsere Stimmung drohte allerdings zu kippen als wir an der Grenze ankamen. Wir wurden mit den freundlichen Worten "this will take you at least two hours" gebeten rechts anzuhalten und mit dem Satz "don't move... you understand... don't move" zog ein älterer sehr grimmiger Grenzbeamter mit unseren Ausweisen ab in sein Grenzhäuschen. Allerdings stellte sich raus, dass alles halb so wild war, denn der grimmige Grenzbeamte lebte für 5 Jahre in der Nähe von Stuttgart, hatte dort eine gute Zeit und vermisst wohl ein wenig den dortigen Stammtisch. Wir mussten einen kleinen Testfragebogen ausfüllen und Auskunft geben ob wir terroristische Anschläge planen oder in der Zeit von 1939-45 in Deutschland politisch aktiv waren. Wir haben alle Fragen brav mit nein beantwortet, Fotos und Fingerabdrücke von uns machen lassen und schon durften wir nach nur 45min in die USA einreisen.
In den USA angekommen fuhren wir ein kleines Stück durch New Hampshire und ließen es uns nicht nehmen Berlin zu besichtigen. Naja keine außergewöhnliche Stadt, aber hey wir waren in Berlin. Nachdem wir Berlin, das Brandenburger Tor, Kreuzberg und den heimischen Politikern einen kleinen Besuch abgestattet hatten fuhren wir weiter Richtung Portland um unser erstes Abenddomiziel zu beziehen. Aber was wäre ein Road Trip wenn nicht zufällig irgendetwas dazwischen kommen würde. Fast schon in Yarmouth angekommen, hier sollte unsere Jugendherberge sein, stellte ich fest, dass es wohl noch ein anderes Yarmouth gibt. Und zwar ungefähr am anderen Ende von Nordamerika. Glücklicherweise haben wir genau in diesem anderen Yarmouth unsere Jugendherberge gebucht. Da Freitag Tag des Lachens war nahmen wir das alles gar nicht so ernst haben uns prächtig über unseren Fehler amüsiert. Romy hat es gott sei dank hinbekommen, dass wir für die gebuchte Jugendherberge noch nicht einmal was zahlen mussten und so konnten wir uns einfach nach einer anderen Unterkunft umsehen. Das war kein allzu großes Problem. Wir haben im Motel 8, am Rand von Portland noch ein Zimmer bekommen, wo wir nach einem amerikanischen Abendessen, Fritten und Burger, fertig aber glücklich unser Nachtlager bezogen haben.
Samstag dann ging es nach einem sagenhaften continental breakfast weiter Richtung Bangor, immer schön an der Ostküste entlang. Bei 26 Grad und Sonnenschein haben wir uns dann entschlossen an einem See eine kleine Pause zu machen. Diese einmalige Chance Anfang Oktober noch schwimmen zu gehen konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so konnte ich mich ganz meinem Element dem Wasser widmen. Nach einigen kleinen Baywatch Spielchen ging es dann weiter.
Als wir am Abend in unserem Hotel in Orono, bei Bangor, ankamen... wer hätte es gedacht, hatten wir wieder ein kleines Problem zu lösen. Wir hatten zwar ein Zimmer, das Hotel war aber nur auf eine Person gefasst. Ohne lang zu zögern nahmen wir das Angebot der Dame an der Rezeption, die sich um zwei weitere Klappbetten für uns kümmern wollte. Denn sämtliche Hotels in der Umgebung waren ausgebucht. Also auch Samstag haben wir uns tapfer geschlagen und alle Probleme mutig gelöst.
Sonntag stand dann der Acardia National Park auf dem Plan. Dieser liegt auf einer kleinen Insel direkt an der Ostküste und zählt wohl zu den 10 beliebtesten Nationalparks in Nordamerika und ganz ehrlich er ist auch wirklich außergewöhnlich. Wir konnten unseren Augen kaum glauben als wir mitten auf dem Cadillac Mountain bei strahlendem Sonnenschein direkt auf das Meer schauten. Ganz im Zeichen des Indian Summer strahlten die Bäume in rot, orange und gelb. Eine wirklich unglaubliche Landschaft. Meer, Berge, Sand, Felsen, Seen, Wald und Wiese alles an einem Ort. Bilder zum neidisch werden habe ich auch schon hochgeladen. Wir haben den ganzen Tag im Nationalpark verbracht und sind erst wieder gegen Abend weiter in Richtung Montreal. Gegen 21 Uhr haben wir uns entschlossen, dass es doch langsam Zeit für ein Nachtquartier wird und sind mitten am Arsch der Welt, Kingsfield, in einem super schönen Hotel untergekommen. Das Hotel war im alten amerikanischen Kolonialstil eingerichtet und überzeugte auch durch seine warme Atmosphäre. Der Besitzer, ein alter Mann mit nicht mehr all zu viel Zähnen und sein Huskey waren mein eigentlicher Höhepunkt. Und so verbrachten wir unsere letzte Nacht in Kingsfield, mitten im Niemandsland.
Frisch ausgeruht machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zurück mach Montreal. Unsere letzten amerikanischen Dollar haben wir beim Frühstück auf den Kopf gekloppt. Nach nicht mal ganz zwei Stunden waren wir auch wieder auf kanadischem Boden, diesmal ohne Wartezeit an der Grenze. Gegen zwei kamen wir dann auch in Montreal an, 1200km USA hinter uns... ich war schon ein wenig geschafft, aber dafür hat sich der Trip auch wirklich gelohnt. Wir haben einiges erlebt... einen kleinen Film gedreht... Dunkin' Donuts gegessen... das Meer gesehen... und vieles mehr... also seid alle schön neidisch!
1 Kommentar:
Ich werde an euch denken wenn ich morgen früh meinen ersten kaffee trinke, aus meiner italienischen Espressokanne!!
Euer Trip hört sich trotzden sehr spannend an.....
Und super süsses Video, könnt euch knutschen!!!!
Liebe grüße euer Meikel
Kommentar veröffentlichen